Die Rittergarde informiert:

Jubiläum

Die Rittergarde informiert:

70. Jubiläum: 1952 - 2022

Willkommen bei der Kronberger Rittergarde

Die Kronberger Rittergarde ist eine Abteilung des Kappen-Klub Kronberg.

Die Idee und Entstehung können Sie unter "Chronik der Rittergarde" nachlesen.

Die Rittergarde teilt sich auf in 3 Bereiche:

Einige unserer Aktivitäten

70 Jahre Kronberger Rittergarde

 

Die Idee, 1952 zum 50jährigen Jubiläum des Kappen Klubs eine Rittergarde ins Leben zu rufen, wurde begeistert aufgenommen. Doch wie sollte sie in die Tat umgesetzt werden? Woher die Ritterrüstungen nehmen und wie sollte sie aussehen? Wer sollte als historisches Vorbild dienen? Probleme, die an die Fantasie, den Einfallsreichtum, das handwerkliche Können und die geschickten Hände der Beteiligten große Anforderungen stellten. Doch es war schon immer der Wahlspruch der Kappenbrüder: „Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden“.

Walter Weißbach entwickelte ungeahnte Talente.

Mit dicker Kordel und noch dickerer Häkelnadel machte sich seine Frau an die Arbeit, immer kritisch beobachtet und angeleitet von ihrem Mann. Nach und nach entstanden ein Kettenhemd, ein Kragen, ein Paar Beinlinge und feste Handschuhe. Immer wieder musste Maß genommen und anprobiert werden. Albert Feldmann diente als Mannequin, denn er sollte die erste fertige Rüstung auf der Fastnachtssitzung 1951 vorführen.

Die gehäkelten Teile wurden nun in einer umständlichen Prozedur mit Leim, Bronze und einem Bügeleisen bearbeitet. Daraus entstand eine echt wirkende Ritterrüstung, die noch mit Ziernägeln beschlagen wurde. Ein stattlicher Helm, ein Schwert, Lederzeug und das Schild mit dem Wappen des Kronenstammes vervollständigten die Rüstung.

Die Vorstellung dieses Prototyps während der Fastnachtssitzung im Januar 1951 wurde von allen begeistert aufgenommen; ein Riesenerfolg für die Initiatoren.

Man war sich schnell einig, die Idee einer Rittergarde in die Tat umzusetzen. Bis zur Realisierung war es aber noch ein weiter Weg; 12 Rüstungen sollten entstehen.

Fleißige Frauenhände schafften das fast Unmögliche!

Ehefrauen, Verlobte und Bräute waren nun gefordert. Je zwei Frauen bildeten ein Team und stellten eine komplette Ritterrüstung her.

Zu den zehn selbstgehäkelten Rüstungen wurden zwei Silberrüstungen bei einem Theaterausstatter dazugekauft, diese vertreten die Kronberger Ritter des Kronen- und des Flügelstammes. Eine Abrundung der Kronberger Rittergarde im wahrsten Sinne des Wortes war die zwölfte Rüstung. Diese war im Goldton gehalten. Träger dieser Rüstung war der unvergessene Kappenbruder Heinrich Gumpert, der als „Götz“ immer für wahre Lachstürme sorgte.

Zum Festkommers 1952 waren alle Rüstungen fertig. In feierlichem Rahmen wurde die Kronberger Rittergarde dem Publikum vorgestellt. Einzeln – mit historischem Namen der Rüstung aufgerufen – betraten die Ritter unter tosendem Applaus die Bühne. Es war ein farbenfrohes Bild, was sich dort bot.

Die Kronberger Rittergarde machte sich schon bald nach ihrer Gründung in und um Kronberg herum einen guten Namen. Wir waren damals und sind noch heute gern gesehene Gäste bei kleinen und großen Ereignissen unserer Heimatstadt. Aber nicht nur die Stadt nimmt gerne die Dienste der Kronberger Rittergarde in Anspruch, auch Privatpersonen und Vereine freuten und freuen sich bei Empfängen und Jubiläen über ein repräsentatives Spalier aus farbenprächtigen Gewändern und Rüstungen.

In Kronberg selbst ist die Rittergarde mittlerweile bei vielen Festen auf der Burg oder in der Stadt vertreten. Für die Kinder veranstalten sie ein „Kinder-Ritterturnier, Mittelalterliche Spiele wie „Schlag die Nuss“ oder „Schießen mit der Armbrust“, aber auch eigene Schwerter und Schilde können von kleinen Knappen und Burgfräulein selbst gestaltet werden.

 

Und so, 70 Jahre nach der Gründung, soll dies in einem würdigen Rahmen auf der Burg Kronberg gefeiert werden, sozusagen „im Wohnzimmer“ der Ritter.

Am 11. Juni feiern die Ritter noch im internen Kreise mit Vereinen aus Kronberg, Gönnern der Rittergarde und mit den Freunden des Verbundes Historischer Garden Hessen/Rheinland-Pfalz. Die Burg Kronberg ist in dieser Zeit für Besucher natürlich geöffnet, ein öffentliches Programm der Rittergarde findet aber nicht statt.

 

Am 12. Juni, passend zum Erdbeerfest, die auch schon die Ritter gerne mochten, öffnet der Burgverein zusammen mit der Rittergarde das Tor zur Burg und lädt zu einem tollen Tag auf der Burg Kronberg ein.

Neben Speisen und Getränken die der Burgverein anbietet, gibt es ein Lagerleben der verschiedenen historischen Gruppen zu sehen, von Rittern, über Landsknechte bis zur Bürgergarde.

Zusammen mit dem Burgverein bietet die Rittergarde auch einige Spiele für Jung und Alt an.

Der Burgverein und die Rittergarde Kronberg freuen sich auf Ihren Besuch.

 

Hartmut vom Kronenstamm

Reichsritter Hartmut XII. von Kronberg

Hartmut XII. von Kronberg, in zeitgenössischer Schreibweise Hartmut von Cronberg, (* 1488; † 7. August 1549), war ein Ritter aus dem Geschlecht der Herren von Kronberg, Angehöriger des Kronenstamms und engagierter Verfechter der Ideen Martin Luthers. Als Ehrenname – und auch um ihn von den übrigen Mitgliedern derer von Kronberg, soweit sie auch Hartmut hießen, zu unterscheiden – wird er zuweilen mit dem Zusatz der Bekenner oder auch der Reformator gekennzeichnet.

Hartmut war das älteste überlebende von den elf Kindern des Johann IX. von Cronberg und der Klara von Helmstadt. Das Geburtsdatum und der Geburtsort von Hartmut sind unbekannt, doch wird als Ort der Geburt Oppenheim vermutet, da damals sein Vater Johann dort eine Funktion als kurpfälzischer Amtmann ausübte, von der er erst 1489 nach Höchst in den Dienst des Mainzer Erzbischofs Berthold von Henneberg wechselte. Seine ritterliche Ausbildung absolvierte Hartmut am Hof des Pfälzischen Kurfürsten Philipp des Aufrichtigen (1448–1508) in Heidelberg.

Der Vater Johann starb 1506 in Aschaffenburg, wo er mittlerweile als Vizedom amtiert hatte. Hartmut war damals 18 Jahre alt. Testamentsvollstrecker war sein Verwandter Franz von Sickingen. Hierbei rückte Hartmut an die Spitze des Kronenstamms der Kronberger Ritter. Er heirate 1511 die noch sehr junge Anna von Kronberg vom Flügelstamm (* nach 1495, † 1551). Beruflich wurde er kurpfälzer Amtmann und Oberschultheiß in Oppenheim. Seine Frau gebar ihm drei Söhne: Philipp VIIII (* nach 1512), Hartmut XIII. (* vor 1517) und Walter X., je nach Zählweise auch als Walter XII. bezeichnet (* um 1519).

Ab 1514 begann eine unruhige Zeit für Hartmut, da er sich Franz von Sickingen und dessen Zielen verbunden fühlte, zumal auch Franzens Großvater, Reinhard VIII. von Sickingen, zugleich ein Urgroßvater Hartmuts war. Ab 1515 unterstützte Hartmut ihn unter anderem in einem Feldzug gegen Worms (1515) und gegen den Herzog von Lothringen (1516). Im August 1518 kam es zur Fehde gegen Hessen, die Hartmut gemeinsam mit Franz von Sickingen bestritt. Der erst 14-jährige Landgraf Philipp I. von Hessen floh nach Gießen und weiter nach Spangenberg.

Im Jahre 1519 wurde Hartmut von dem im gleichen Jahr in Frankfurt zum römisch-deutschen Kaiser gekrönten Karl V. für seine Bemühungen um die Wahl eine lebenslange Pension von 200 Goldgulden zugesagt.

Am 14. April 1521 traf Hartmut in Frankfurt am Main mit Martin Luther zusammen, als dieser, wie auch Hartmut selber, anlässlich seiner Reise zum Reichstag in Worms in Frankfurt Station machte. Hartmut fühlte sich Luther und seinen Ideen eng verbunden. In Worms wohnte Hartmut den engeren Verhandlungen mit Luther bei, die Richard von Greiffenklau, der Erzbischof von Trier, führte.

Hartmut war von hohen Idealen und aber zugleich einer kindlichen Gläubigkeit erfüllt, die zur Verstrickung in die damaligen politischen Wirren führte. Er wollte allen aus seiner Sicht erkannten Übeln zu Leibe rücken und kündigte dem Kaiser auch seinen Dienst auf. Zu den ihm wichtig erscheinenden Fragen nahm er in Flugblättern öffentlich Stellung. Darunter waren, teilweise zusammen mit anderen Rittern verfasst, viele Sendbriefe und auch ein Brief an Papst Leo X., dem er vorwarf, mit den Bankhäusern Geldgeschäfte zu betreiben. Luther warnte Hartmut inzwischen vor einer Überspannung, die zu Gewalttätigkeiten führen könne.

Dennoch folgte Hartmut 1522 einer auf einem mittelalterlichen Rechtsverständnis fußenden Fehdeerklärung von Franz von Sickingen an den Trierer Bischof Richard von Greiffenklau. Hartmut stand Franz dadurch bei, dass er während Sickingens Abwesenheit dessen Stammsitz Ebernburg an der Nahe sicherte und ihm so den Rücken freihielt. Nachdem Sickingens Mannschaft jedoch durch die Kurfürsten von Trier und von der Pfalz sowie den Landgrafen Philipp von Hessen geschlagen worden war, wandten sich die siegreichen Fürsten direkt gegen Kronberg, wohin Hartmut nur mit knapper Not eilen konnte, um eine Verteidigung einzurichten. Seine gut 270 Mann waren allerdings nicht gegen die Übermacht von 3000 Mann samt vielen und schweren Geschützen gewappnet. Als die Aussicht auf eine erfolgreiche Verteidigung schwand, floh Hartmut in der Nacht zum 14. Oktober 1522 wohl über die Nordseite durch den Hain (heute Eibenhain), denn mittlerweile war im Namen Kaiser Karls V. die Reichsacht über ihn verhängt worden. Ab jetzt wurden Burg und Stadt Kronberg für 19 Jahre hessisch. Landgraf Philipp I. von Hessen, später der Großmütige genannt, führte 1526 den evangelischen Glauben in Kronberg ein.

Ab November 1522 hielt sich Hartmut mit seiner Familie für mehrere Jahre in Basel auf, unternahm allerdings in der Folgezeit auch verschiedene Reisen, darunter nach Schweinfurt und Wittenberg (zu Luther). Um 1525 war er auch in Sachsen und Böhmen und absolvierte 1527 eine Seefahrt zu dem in Madrid residierenden Kaiser Karl V. Er bat um Entlassung aus der Acht, was aber erst 1532 umgesetzt wurde. Im Jahre 1533 wurde er Ratsherr in Oppenheim. Im November 1541 schließlich beendete ein in Kassel zwischen Hartmut und Philipp dem Großmütigen von Hessen geschlossener Vertrag das Exil und Hartmut erhielt Kronberg zurück.

Hartmut lebte mit seiner Familie noch acht Jahre auf der Burg. Er starb am 7. August 1549; Sterbeort und Todesumstände sind nicht bekannt. Seine Ehefrau Anna starb am 14. April 1551. Beide wurden in der Kapelle der Burg Kronberg beigesetzt, wo das gemeinsame Grabepitaph auch heute noch steht. Am Berliner Platz in Kronberg steht etwas erhöht und zur Burg gerichtet ein überlebensgroßes Standbild Hartmuts XII. aus den 1860er Jahren.

Das Standbild des Reichsritters Hartmut XII von Kronberg ist eine denkmalgeschützte Zinkgussfigur in Kronberg im Taunus. Es zeigt den Reichsritter Hartmut XII. von Kronberg und war die letzte Arbeit des 1869 verstorbenen Bildhauers Eduard Schmidt von der Launitz. Es ist im Zinkgussverfahren hergestellt und zeigt Hartmut in ungefähr doppelter Lebensgröße in voller Ritterrüstung auf sein Schwert gestützt.

Die Statue war im Auftrag des Unternehmers Jacques Reiss (1807–1887) geschaffen worden, der hiermit seine Verbundenheit mit der Stadt Kronberg, deren Ehrenbürger er 1864 geworden war, zum Ausdruck bringen wollte. Seinen Platz hatte das Standbild in einer Nische der Fassade seiner Villa Schönbusch, die auf einem weitläufigen Anwesen nördlich der damaligen Stadt Kronberg errichtet worden war. Der nach oben gerichtete Blick des Ritters war auf die in Sichtweite befindliche Burg Kronberg gerichtet, den historischen Stammsitz des Hauses Kronberg.

Nach dem Tod von Reiss erwarb Kaiserin Friedrich 1888 die Villa Schönbusch, ließ sie niederlegen und an deren Stelle das Schloss Friedrichshof errichten. Das Standbild schenkte sie am 21. November 1889, ihrem 49. Geburtstag, der Stadt Kronberg, die dies im Rahmen einer feierlichen Übergabe mit Empfang im damaligen Gasthaus Frankfurter Hof in Anwesenheit von 83 Honoratioren der Stadt würdigte. Aufgestellt wurde die Statue im Kronberger Schulgarten, wo der Blick des Ritters wiederum zur Burg gerichtet war. Nach Abriss der Schule und Umgestaltung des Berliner Platzes wurde das Standbild 2005/2006 restauriert, wobei das innere tragende Eisengerüst sowie das Schwert gerichtet und wieder zusammengesetzt wurden. Daraufhin montierte man das Standbild am heutigen Standort am Treppenaufgang der Kronberger Höfe am Berliner Platz, wiederum mit dem Gesicht in Richtung Burg orientiert.