Die Idee

Zum 50jährigen Kappenjubiläum eine Rittergarde zu schaffen, war zwar begeistert aufgenommen worden, jedoch wie sollte die Tat umgesetzt werden? Ein Problem, das an die Phantasie , an handwerkliches Können, an Einfallsreichtum und an geschickte Hände große Anforderungen stellte, sollte jedoch gelöst werden. 

Walter Weißbach war für die Sache Feuer und Flamme. Er entwickelte ungeahnte Talente. Mit dicker Kordel und noch dickeren Häkelnadeln  machte sich seine Frau unter seiner Anleitung an die Arbeit. Nach und nach  entstanden ein richtiges Kettenhemd, ein Kragen, die dazu passenden Beinkleider und feste Handschuhe. Hin und wieder mußte alles anprobiert werden. Kappenbruder Albert Feldmann wurde als Mannequin abkommandiert, denn er sollte die erste fertige Rüstung bei der Karnevalssitzung 1951 vorführen. Geduldig ließ er  diese Anproben über sich ergehen. Die gehäkelten Stücke wurden nun einer  umständlichen und sehr geheimnisvollen Prozedur unterzogen. Dabei waren Leim, Bronze, Farbe und vor allem ein Bügeleisen mit von der Partie. Man konnte nur noch staunen, was am Ende herauskam: eine fast echte Ritterrüstung, die noch mit Ziernägeln beschlagen wurde. Ein Helm, ein Schwert, ohne das ein Ritter schließlich kein Ritter ist, Lederzeug und einem prächtigen Schild mit den Wappen des Kronenstammes kamen hinzu. 'Die Vorstellung des Prototyps im Januar  1951 war ein voller Erfolg. Man war sich einig, daß nur eine Rittergarde für das Jubiläum in Frage kam. 

Bis dahin aber war noch ein weiter Weg. Zwölf Rüstungen wurden benötigt.


Fleißige Frauenhände schafften das fast Unmögliche!

Die Ehefrauen und Bräute waren nun gefordert. Je zwei bildeten ein Team und stellten eine komplette Rüstung her. Oft genug mußte ein Stück auch wieder aufgezogen werden, es gab Blasen an den Fingern und Händen, das harte Material forderte seinen Tribut. Mindestens alle zwei Wochen trafen sich die  Frauen, um Erfahrungen auszutauschen und Anregungen zu holen. Wer damals an dem  großen "Werk" mitgearbeitet hat, denkt noch immer gern daran zurück. Obwohl es  viel Mühe und harte Arbeit kostete, am Ende stand die Freude an dem Geschaffenen. 

Die Rüstungen machten nicht nur viel Arbeit, sie stellten auch große Anforderungen an die Finanzen des Vereins. Hier sprangen Freunde und  Gönner des Kappen-Klubs ein.

Jeder Ritter hatte einen Paten, der einen namhaften Betrag für die Sache locker machte, meist waren die Kosten für die Rüstung voll gedeckt. Es entwickelte sich in den folgenden Jahren ein schöner Brauch im Verein. Immer,  wenn ein "Patenritter" ein Fest, sei es Geburtstag, ein Jubiläum oder eine  Silberne Hochzeit feierte, dann stellte sich sein Patenkind in voller Montur zur  Gratulation ein. Die meisten der netten Paten und Geldgeber leben nicht mehr, in der Chronik des Kappen-Klubs sind ihre Namen festgehalten. Sie haben  mitgeholfen, die schöne Idee Wirklichkeit werden zu lassen. 

Zu den selbstgehäkelten Rüstungen wurden zwei dazugekauft, die Silberrüstungen, deren Träger mindestens 1,90 m Körpergröße aufweisen müssen.  Sie vertreten die Kronerger Ritter im Kronen- und Flügelstamm. Eine Abrunden der  Garede im wahrsten Sinne des Wortes war die zwölfte Rüstung, im Goldton  gehalten. Träger war der unvergessene Kappenbruder Heinrich Gumpert, der  als "Götz" immer für wahre Lachstürme sorgte, wenn er mit seinen Kollegen auftrat.

Zum Festkommers war alles fertig. In feierlichem Rahmen wurde  die Garde den Publikum vorgestellt. Einzeln - mit Namen der Rüstung aufgerufen - betraten die Ritter die Bühne, jeder wurde mit großem Applaus empfangen. Es war  ein farbenprächtiges Bild. Doch Ritter allein machen noch keine Garde aus. Es bedurfte vor allem der Bannerträger und der Knappen, die die Herren begleiten  mußten. Auch hübsche junge Mädchen in Pagenkostümen waren unentbehrlich. 

Das erste Banner der Rittergarde war von den Frauen gestiftet  worden, gestickt hatte es Frau Lehr.


Der Ruf der Kronberger Rittergarde ging schnell über Kronberg  hinaus

Schon im Sommer 1952 erregten die Ritter in ihrer Farbenpracht großes Aufsehen beim ersten Burgfest in Königstein. Noch hatte das Burgfräulein dort keine eigene Garde, die Kronberger sprangen gerne ein und begleiteten die junge Dame während des ganzen Festes auf allen ihren offiziellen Wegen. Die schönen Rüstungen der Kronberger regten die Königsteiner dazu an, sich selbst eine Rittergarde zu schaffen. Die Kronberger wurden deshalb nicht überflüssig, sie waren und sind noch immer gern gesehene Gäste und gehören fest zu den großen  Veranstaltungen. 

Tradition bei den Rittern war auch die Teilnahme am  alljährlichen großen Festumzug zum Hessentag. Oftmals nahmen sie auch einen  Festwagen mit dem Modell der Kronberger Burg mit.

Der Ruf der Rittergarde war schnell über unsere Heimatstadt  hinaus gelangt. Die Einladungen häuften sich, jeder wollte die Ritter zu Gast  haben. Die Einsätze bei historischen Umzügen, Festlichkeiten, Empfängen,  Jubiläen usw. sind ungezählt. Vor allem aber in der närrischen Zeit waren und sind die Ritter an jedem Wochenende unterwegs. Man gewann überall Freunde. Ob es in Mannheim, Ludwigshafen, Speyer, Heilbronn, Wiesloch, Wiesbaden oder Frankfurt  war und ist, nur um einige Namen zu nennen. Durch die Mitgliedschaft bei der "Förderation Europäischer Narren" wurden auch Freundschaftsbande in Holland und  Belgien geknüpft. 

Ganz ohne Chef geht es auch bei den Rittern nicht

Schon von Beginn an, als die Rittergarde immer mehr Einladungen  erhielt, war es klar, daß es ohne "Chef" nicht abgehen konnte. Einer der Recken mußte schließlich für die reibungslose Abwicklung der Termine und die Wahrung  der Inderessen der Garde sorgen. Aus ihren Reihen wählten sich die Ritter Arno Gladen zum Chef.

1953 trat Karlheinz Lehr der Rittergarde bei, er brachte seine eigene Rüstung mit und rundete als "Walter von Cronberg vom Ohrenstamm"  das Team der Ritterfamilie ab. Er übernahm auch die Leitung der Garde und fungiert Als "Obrist", später kam Max Nigge als Hofmarschall dazu. Unter den beiden nahm die Rittergarde einen großen Aufschwung, sie wurde immer schöner und farbenprächtiger, eine Reihe von Kindern in historischen Kostümen nimmt  seitdem immer an den großen Festzügen teil. Nachfolger von Karlhein Lehr wurde Albert Feldmann, der "erste Ritter der Garde". Die  Namen der ritterlichen "Obristen" sind an anderer Stelle festgehalten. Sie alle  gaben sich stets große Mühe, das Ansehen der Rittergarde zu erhalten und zu festigen. Seit 1988 führt Wolfgang Schardt die Gruppe an, Hans-Jürgen  Fischer steht ihm als "Säckelgeldverwalter" zur Seite.

Ein schweres und verantwortungsvolles Amt hatte Irmgard Schneider  übernommen. Sie kümmerte sich um den riesengroßen Kostümfundus. Ständig muß  etwas ausgebessert werden, müssen Kleidungsstücke gewaschen oder gereinigt  werden. Ständig muß überwacht werden, ob die ausgeliehenen Kostüme auch wieder pünktlich zurückgegeben werden. Diese Aufgabe wurde dann in Folge für kurze Zeit von Waltraudt Schardt und danach von Cornelia Görner übernommen.

Längst wurden auch nach und nach die alten Rüstungen ausgetauscht, sie haben ausgedient. Doch mit der Häkelnadel brauchen die Frauen des Kappen-Klubs nicht mehr anzurücken, die Rüstungen wurden von einer einschlägigen Firma geliefert. Sie zu erhalten und zu pflegen war zuerst das Resort von Karl Lorenz und danach vom Vorstand, weil sich bis dato noch kein Nachfolger gefunden  hat. 

Obwohl die Garde einst als Begleiter des Karnevalsprinzen  geschaffen wurde, ist sie doch längst über diese Bestimmung hinausgewachsen. Zum einen kann sie mit Fug und Recht wegen ihres Erscheinungsbildes auf historischen Festen auftreten, zum anderen sind auch die Wappen und die Namen der Rüstungsträger urkundlich einwandfrei belegbar. Die Wappen entsprechen  historischen Vorbildern, meist sind es Wappen angeheirateter Familien der Herren  von Kronberg oder auch die Embleme von Gemeinden, die den Kronberger Herren einst zu Lehen gegeben wurden, Jedes Wappen hat seine eigene Geschichte und ist  eng mit der Geschichte Kronbergs verbunden. Der größte Teil der Historie wurde  für die Festschrift zum 90jährigen Jubiläum 1992 von Hanna Feldmann verfaßt.

Die Obristen der Kronberger Rittergarde

Für die Kronberger Rittergarde waren in den vergangenen Jahren die nachstehenden Mitglieder des Kappen-Klubs in der Leitung der Gruppe verantwortlich. Sie haben durch persönlichen Einsatz und viel Engagement unsere  Kronberger Rittergarde weit über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus - sogar im  Ausland - bekanntgemacht und dadurch zum Wohle unseres Vereins und der Gruppe in  besonderer Weise beigetragen. 

1952 - 1953 Arno Gladen (Kommandeur)
1953 - 1967 Karl-Heinz Lehr
1967 - 1968 Albert Feldmann
1969 - 1972 Hans-Jürgen Buch
1972 - 1973 Wolfgang Agartz (komm. Leiter)
1973 - 1975 Max Nigge
1975 - 1977 Norbert Eschermann
1977 - 1988 Hans Peter Müller
1988 - 2004 Wolfgang Schardt
2004 - heute Markus Theis



Es bleibt nachzutragen, dass in den vergangenen Jahren neben dem  Obristen auch noch das Amt des Hofmarschalls besetzt war, der für die  Aktivitäten der Gruppe verantwortlich war. Dieses Amt hatte bis 1968 unser  geschätzter Kappenbruder Max Nigge inne.