Geschichte der Rittergarde

 

Mit Bügeleisen und Geheimtricks zur Rüstung


Am Anfang stand die Idee:

Zum 5ojährigen Jubiläum des Kappenklubs Kronberg 1952 sollte eine Garde geschaffen werden, die den Verein repräsentieren sollte. Einig war man sich, dass die Uniformen auf jeden Fall aus der Geschichte stammen mussten. Es sollte etwas Besonderes werden.
Der beliebte Kronberger Schreinermeister Heinrich Bettenbühl hatte die zündende Idee: wenn schon historisch, dann was Kronbergerisches: eine Rittergarde!
Kappenbruder Walter Weißbach entwarf verschiedene Modelle.


Aber wie in die Tat umsetzen?

Aus dicken Kordeln und noch dickeren Häkelnadeln brachten die geschickten Ehefrauen – Frauen durften damals noch nicht Mitglied im Kappen Klub werden - wirklich das Kunststück fertig, eine Rüstung zu schaffen: Kettenhemd, Kragen Beinkleider und Handschuhe.
Die gehäkelten Stücke wurden einer geheimnisvollen Prozedur mit Leim, Bronze, Farbe und besonders wichtig mit Bügeleisen – später in der Werkstatt Bettenbühls mit der Furnierpresse – bearbeitet, mit Ziernägeln beschlagen, mit Schuhsohlen versehen, dazu noch Helm, Schwert und Schilde mit Wappen – die Rüstung war fertig! Immerhin war die Rüstung 25 kg schwer!

An der Fastnachtssitzung 1951 wurde der erste Ritter dem staunenden Publikum vorgestellt und mit großer Begeisterung angenommen. Albert Feldmann erhielt als erster den Ritterschlag durch den 1. Vorsitzenden Karl Heinrich.

Die Rittergarde war geboren!

Nun mussten 12 Rüstungen hergestellt werden. Immer zwei Ehefrauen fertigten eine komplette Rüstung an. Oft musste ein Stück wieder aufgezogen werden. Es gab Blasen an den Fingern und Händen, weil das Material so hart war. Doch in Gemeinschaft machte es Spaß, vor allem wenn man das Endprodukt sah. Pünktlich zum Festkommers am 19. Januar 1952 war alles fertig.
Zwei Rüstungen, die Silberrüstungen, wurden später dazu gekauft. Sie sind für die Träger des Kronenstamm- und des Flügelstammwappens bestimmt. Die Rüstung für das Ohrenstammwappen wurde von Karl-Heinz Lehr privat gekauft und ist im Privatbesitz seiner Kinder. Die Träger müssen mindestens 1,90m groß sein.

Eine „Abrundung“ im wahrsten Sinne des Wortes war die goldene Rüstung des unvergessenen Kappenbruders Heinrich Gumpert, der fast so breit wie groß war. Wenn er als „Götz von Berlichingen“ auftrat, sorgte er stets für Heiterkeit.
Doch Ritter allein machten noch keine Garde aus. Sie mussten von Knappen, Bannerträgern und vor allem von jungen, hübschen Mädchen in Pagenkostümen begleitet werden.
Das erste Banner der Rittergarde war von den Frauen gestiftet worden, gestickt hatte es Frau Lehr.

 

Patenritter halfen

Ein großes Problem war die Finanzierung. Eine Rüstung ist auch heute noch eine teure Angelegenheit. Hier sprangen in den Anfängen Freunde und Gönner des KKK ein.
Jeder Rüstungsträger hatte einen sogenannten „Patenritter“, der einen namhaften Betrag locker machte.
Es entwickelte sich ein schöner Brauch: Immer wenn ein Patenritter ein Fest feierte, sei es Geburtstag, Hochzeit, Silberhochzeit, Goldene Hochzeit oder ein Jubiläum kam sein „Patenkind“ in voller Montur zu Gratulation.

 

Der Ruf der Kronberger Rittergarde ging schnell über Kronberg hinaus

Schon im Sommer 1952 erregten die Ritter in ihrer Farbenpracht großes Aufsehen beim ersten Burgfest in Königstein. Noch hatte das Burgfräulein dort keine eigene Garde, die Kronberger sprangen gerne ein und begleiteten die junge Dame während des ganzen Festes auf allen ihren offiziellen Wegen. Die schönen Rüstungen der Kronberger regten die Königsteiner dazu an, sich selbst eine Rittergarde zu schaffen. Die Kronberger wurden deshalb nicht überflüssig, sie waren und sind noch immer gern gesehene Gäste und gehören fest zu den großen Veranstaltungen.

Tradition bei den Rittern war auch die Teilnahme am alljährlichen großen Festumzug zum Hessentag. Oftmals nahmen sie auch einen Festwagen mit dem Modell der Kronberger Burg mit.

Der Ruf der Rittergarde war schnell über unsere Heimatstadt hinaus gelangt. Die Einladungen häuften sich, jeder wollte die Ritter zu Gast haben. Die Einsätze bei historischen Umzügen, Festlichkeiten, Empfängen, Jubiläen usw. sind ungezählt. Vor allem aber in der närrischen Zeit waren und sind die Ritter an jedem Wochenende unterwegs. Man gewann überall Freunde. Ob es in Mannheim, Ludwigshafen, Speyer, Heilbronn, Wiesloch, Wiesbaden oder Frankfurt war und ist, nur um einige Namen zu nennen. Durch die Mitgliedschaft bei der "Förderation Europäischer Narren" wurden auch Freundschaftsbande in Holland und Belgien geknüpft.

 

Entstehung des Burgmodells

Obrist Hans Peter Müller, begeisterter Modelleisenbahner, kam die Idee, sich auch mal an ein Modell der Kronberger Burg zu wagen. Alte Fotos und Dias von Wolfgang Agartz halfen die Maße der Burg so umzurechnen, dass die Burg auf einem Wagen Platz hat.
Doch wo bauen? Man brauchte ja Platz und auch Maschinen. Die Lösung war schnell gefunden: An der Integrierten Gesamtschule Stierstadt, wo Hans Peter unterrichtete, gab es wundervolle Polytechnikräume mit entsprechenden Maschinen. Die Schüler verfolgten gespannt die Entstehung: Was wird das? Wo steht denn die Burg? So gab es nebenher noch Heimatkundeunterricht.
Nachmittags und abends 1985/86 wurde fleißig gewerkelt: Hans Peter Müller, Wolfgang Schardt, Dieter Nagel, Norbert Eschermann, Günter Preuß, Jürgen Panhans, Gerd Kleilein, Hans Jürgen Fischer und Michel Eckart nahmen die Arbeit sehr genau. Allein die 100 Sprossen für die Fenster mussten millimetergenau eingepasst werden.
Heinrich Bettenbühl stand mit Farbe und Pinsel bereit, um mit seiner Tochter Irmgard und mit Carl Veit dem Rohbau ein naturgetreues, wetterfestes Aussehen zu geben.
Als Anerkennung gab es den ersten Ritterorden mit Abbild der Burg.

 

Ganz ohne Chef geht es auch bei den Rittern nicht!

Schon von Beginn an, als die Rittergarde immer mehr Einladungen erhielt, war es klar, daß es ohne "Chef" nicht abgehen konnte. Einer der Recken mußte schließlich für die reibungslose Abwicklung der Termine und die Wahrung der Inderessen der Garde sorgen. Aus ihren Reihen wählten sich die Ritter Arno Gladen zum Chef.

1953 trat Karlheinz Lehr der Rittergarde bei, er brachte seine eigene Rüstung mit und rundete als "Walter von Cronberg vom Ohrenstamm" das Team der Ritterfamilie ab. Er übernahm auch die Leitung der Garde und fungiert. Als "Obrist", später kam Max Nigge als Hofmarschall dazu. Unter den beiden nahm die Rittergarde einen großen Aufschwung, sie wurde immer schöner und farbenprächtiger, eine Reihe von Kindern in historischen Kostümen nimmt seitdem immer an den großen Festzügen teil. Nachfolger von Karlhein Lehr wurde Albert Feldmann, der "erste Ritter der Garde". Die Namen der ritterlichen "Obristen" sind an anderer Stelle festgehalten. Sie alle gaben sich stets große Mühe, das Ansehen der Rittergarde zu erhalten und zu festigen. Seit 1988 führt Wolfgang Schardt die Gruppe an, Hans-Jürgen  Fischer steht ihm als "Säckelgeldverwalter" zur Seite.

Ein schweres und verantwortungsvolles Amt hatte Irmgard Bettenbühl übernommen. Sie kümmerte sich um den riesengroßen Kostümfundus. Ständig muß etwas ausgebessert werden, müssen Kleidungsstücke gewaschen oder gereinigt werden. Ständig muß überwacht werden, ob die ausgeliehenen Kostüme auch wieder pünktlich zurückgegeben werden. Diese Aufgabe wurde dann in Folge für kurze Zeit von Waltraudt Schardt, Kornelia Görner und danach von Heike Theis übernommen.

Längst wurden auch nach und nach die alten Rüstungen ausgetauscht, sie haben ausgedient. Doch mit der Häkelnadel brauchen die Frauen des Kappen-Klubs nicht mehr anzurücken, die Rüstungen wurden von einer einschlägigen Firma geliefert. Sie zu erhalten und zu pflegen war zuerst das Resort von Karl Lorenz und danach vom Vorstand, weil sich bis dato noch kein Nachfolger gefunden hatte.

Obwohl die Garde einst als Begleiter des Karnevalsprinzen geschaffen wurde, ist sie doch längst über diese Bestimmung hinausgewachsen. Zum einen kann sie mit Fug und Recht wegen ihres Erscheinungsbildes auf historischen Festen auftreten, zum anderen sind auch die Wappen und die Namen der Rüstungsträger urkundlich einwandfrei belegbar. Die Wappen entsprechen historischen Vorbildern, meist sind es Wappen angeheirateter Familien der Herren von Kronberg oder auch die Embleme von Gemeinden, die den Kronberger Herren einst zu Lehen gegeben wurden, Jedes Wappen hat seine eigene Geschichte und ist eng mit der Geschichte Kronbergs verbunden. Der größte Teil der Historie wurde für die Festschrift zum 90jährigen Jubiläum 1992 von Hanna Feldmann verfaßt.

 

Die Obristen der Kronberger Rittergarde

Für die Kronberger Rittergarde waren in den vergangenen Jahren die nachstehenden Mitglieder des Kappen-Klubs in der Leitung der Gruppe verantwortlich. Sie haben durch persönlichen Einsatz und viel Engagement unsere  Kronberger Rittergarde weit über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus - sogar im  Ausland - bekanntgemacht und dadurch zum Wohle unseres Vereins und der Gruppe in  besonderer Weise beigetragen. 

1952 - 1953 Arno Gladen (Kommandeur)
1953 - 1967 Karl-Heinz Lehr
1967 - 1968 Albert Feldmann
1969 - 1972 Hans-Jürgen Buch
1972 - 1973 Wolfgang Agartz (komm. Leiter)
1973 - 1975 Max Nigge
1975 - 1977 Norbert Eschermann
1977 - 1988 Hans Peter Müller
1988 - 2004 Wolfgang Schardt
2004 - 2018 Markus Theis

2018 - heute Björn Weber

 

Es bleibt nachzutragen, dass neben dem Obristen auch noch das Amt des Hofmarschalls besetzt war, der für die Aktivitäten der Gruppe verantwortlich war. Dieses Amt hatte bis 1968 unser geschätzter Kappenbruder Max Nigge inne, danach wurde dieses Amt nicht mehr besetzt.